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Der Mensch ist ein Augenwesen mit einer besonderen Fähigkeit: durch nebeneinander liegende
Augen kann er räumlich sehen. Das funktioniert allerdings nur, wenn jedes Auge sein Bild
separat sieht. Erst dann ist das Gehirn in der Lage, daraus einen dreidimensionalen Eindruck zu errechnen.
Das Aufnehmen nebeneinanderliegender Fotos hatte allerdings einen gravierenden Nachteil:
wenn das mit nur einer Kamera gemacht wurde, durfte sich zwischen den beiden Aufnahmen nichts
bewegen, weil dann beim Ansehen der Fotos Geisterschatten auftraten - auf dem einen
Bild war etwas, das auf dem anderen nicht war. An dieser Stelle kam dann das Gehirn
mit dem räumlichen Eindruck durcheinander. (Dieses Phänomen kam später -nach der
Erfindung des 3D-Films- wieder vor, wenn die Projektoren bei den Zweistreifen-Filmen asynchron liefen.)
Man musste also entweder zwei Kameras oder Kameras mit zwei Objektiven verwenden, die zwei Fotos
im gleichen Augenblick aufnehmen mussten, wenn man das Gehirn nicht durcheinander bringen wollte.
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Die Gebrüder Lumiere stellten zur Weltausstellung 1903 in Paris dreidimensonale
Kurzfilme vor, die allerdings jeweils nur von einem Betrachter gesehen werden konnten, mit abgewandelten
Stereoskopen. Beim Projizieren auf eine Leinwand tauchte nämlich das Problem der
Bildtrennung auf. Sie erinnern sich: man sieht räumlich, weil jedes Auge sein Bild allein sieht.
Wenn man nun die beiden Bilder auf die Leinwand projiziert, sehen die Augen aber beide Bilder
gleichzeitig. Man musste also beide Bilder irgendwie auf die Leinwand bringen und sie trotzdem getrennt
bei den Augen der Zuschauer ankommen lassen.
Bis zum Ende der Stummfilmzeit gab es bereits weit über 200 Patente zum dreidimensionalen Film.
Und am 27. September 1927 setzten sich im im Ambassador-Hotel in Los Angeles zum ersten Mal die
Kinobesucher die berühmt-berüchtigten rot/grün-Brillen auf, um einen abendfüllenden
Spielfilm, The Power of Love, in drei Dimensionen zu erleben.
Den zu der Zeit vermutlich einzigen ernstzunehmenden Versuch, dreidimensionale Möglichkeiten für den
Film zu nutzen, unternahm 1925 der französische Filmpionier Abel Gance bei der Realisierung seines Monumentalfilms
Napoleon. Neben Sequenzen in Farbe (!) und einem Breitbildverfahren auf drei Leinwänden
(Polyvision-Panorama, ein Vorläufer von Cinerama, Cinemiracle und Cinemascope) wurden auch Teile
des Films im anaglyhen rot-grün gedreht. Bedauerlicherweise wurden diese Teile schon vor der Premiere
wieder entfernt und kamen nie zur öffentlichen Aufführung.
Bereits 1891 erhielt John Anderton ein Patent zur Projektion von stereoskopischen
Bildern mit Hilfe von polarisiertem Licht. Dieses ermöglichte nun das Ansehen von
Farbbildern. Fast gleichzeitig gelangen zwischen 1934 und 1936 Edwin H. Land in den USA und
den Firmen Zeiss Ikon und Käsemann in Deutschland die Herstellung von
Flächenpolarisatoren, die bei der Projektion vor den Filmprojektor gehängt werden konnten.
Land nannte sein billig herzustellendes Material Polaroid und legte damit die Grundlage
zum Konzern gleichen Namens.
1937 wurde in Berlin der erste 3D-Farb-Tonfilm in der Filmgeschichte aufgeführt:
ZUM GREIFEN NAH, ein Werbefilm mit Spielhandlung. Der Erfolg bei Publikum und Presse war sensationell.
Der Filmtitel verselbstständigte sich und sollte dann in den folgenden Jahrzehnten noch so manchem 3D-Film vorangestellt werden.
Literaturtipp
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